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Boreout: Ich mach mal Dauerpause

Marilena Maiullari am 4. September 2013

Cool bleiben im Büro ohne KlimaanlageDas Burnout-Syndrom kennt jeder. Weniger bekannt ist sein Gegenstück: das Boreout-Phänomen. Extreme Langeweile am Arbeitsplatz kann krank machen und kostet ein Unternehmen viel Geld.

Von der «dolce Vita» zum totalen Frust
Menschen mit Bore-out-Syndrom chatten oder telefonieren oft mit Freunden und surfen täglich mehrere Stunden privat im Internet, um die Präsenzzeiten am Arbeitsplatz irgendwie zu überbrücken. Da zwingt sich die Frage auf: Wie mogeln sie sich bloss durch? Ganz einfach: Den Betroffenen sieht man ihre Unterforderung gar nicht an. Weshalb das so ist, verwundert kaum: Wer gibt in unserer hyperaktiven Gesellschaft schon gerne zu, sich am Arbeitsplatz zu Tode zu langweilen? Viel spannender ist es doch in der Kaffeepause damit anzugeben, wie ausgelastet und unverzichtbar man ist. Weil Boreout-Leidende aber ständig unterfordert sind und eben keinen Stress haben, spielen sie den Stress gekonnt vor. Deshalb ist es schwierig, das Problem zu erkennen. Doch das entlarvt Betroffene: Stress, häufiges Verlassen des Arbeitsplatzes, chronische Müdigkeit, Gereiztheit bis hin zu Depression, häufige Absenz wegen Krankheit.

 Ehrlich sein mit sich selbst
«Viele Menschen fühlen sich wegen ihres Alters oder den begrenzten Möglichkeiten ohnmächtig, eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Aber wenn man wegen der chronischen Unterforderung am Arbeitsplatz nicht mehr schlafen kann oder vom Partner angesprochen wird, dass etwas mit einem nicht mehr stimmt, sollte man trotzdem dringend handeln», rät Max Scheidegger von HR Swiss, der Schweizerischen Gesellschaft für Human Ressources Management. Wie auch in einer Partnerschaft müsse man den Mut haben, sich zu hinterfragen: «Stimmt mein Versprechen noch?». Das Marktforschungsinstitut GfK hat für eine Studie über die Zufriedenheit am Arbeitsplatz 30 000 Mitarbeitende in 29 Länder befragt. Demnach sind die Schweizer Arbeitnehmenden im internationalen Vergleich punkto Engagement nur im Mittelfeld zu finden. Das trifft vor allem auf die jüngste Arbeitnehmergeneration zu, sowie auf die 30- bis 39-Jährigen.

 

Kampf der Routine
Andere Umfragen lassen erkennen, dass gerade Unterforderte gerne mehr leisten würden. Sind diese also an den falschen Job gelangt? Oder hindert das Unternehmen sie, ihre Arbeit gemäss Vereinbarung zu verrichten? Beides, eines oder weder noch. Max Scheidegger sieht nämlich einen weiteren Grund für das grosse Gähnen am Arbeitsplatz: «In jedem Job kommt irgendwann Routine auf. Aber die ist eben gefährlich an der intellektuellen Unterforderung. Er rät Betroffenen, frühzeitig nach Lösungen zu suchen und den Sachverhalt spätestens im Jahresgespräch zu thematisieren. Ferner würden Weiterbildungen neue Perspektiven ermöglichen, wenn auch nicht in jedem Fall. So oder so, wer sich entschieden hat, die Arbeitsstelle zu wechseln tut gut daran, die Stelleninserate genauer zu prüfen und sie ebenso sachlich wie ehrlich zu interpretieren. Das kann viel Zeit und Mühe sparen. Denn schlussendlich versprechen nicht selten die Stelleninserate zu viel: «Anspruchsvolle Position in lebhaftem Betrieb» – wenn  es ums Kandidatenwerben geht, stellen sich Unternehmen ins beste Licht.

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