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Vom Home-Office zurück ins Büro

Alex Haemmerli am 28. Mai 2013

Cool bleiben im Büro ohne KlimaanlageUm das Arbeitsmodell Home Office ist ein Glaubenskrieg entbrannt. Der Trend geht zwar immer noch Richtung Heimarbeit. Erste Unternehmen beordern ihre Angestellten aber bereits wieder zurück ins Büro. Und damit haben Sie vielleicht Recht.

Zuhause arbeiten bietet viele Vorteile für Arbeitnehmende: Sie sind in ihrer Tagesplanung freier und können sich parallel zu ihren beruflichen Aufgaben beispielsweise um ein Kind im Grundschulalter  kümmern oder den Sanitärinstallateur vorbeikommen lassen. Kurz: Heimarbeitende können ihr Privatleben und die Arbeit besser unter einen Hut bringen als Angestellte, die tagsüber im Büro sitzen. Durch das Home-Office entfällt zudem der Pendelweg, der zunehmend als Belastung empfunden wird. So zeigt eine Studie  der Schwedischen Universität Umeå, dass das Pendeln für stressbedingte Erkrankungen und gar für eine steigende Scheidungsrate verantwortlich gemacht werden kann.

Motivierende Arbeitsmodelle
Umgekehrt kann auch der Arbeitgeber davon profitieren, wenn die Angestellten von Zuhause aus arbeiten: Stellen Firmen nicht jedem Mitarbeitenden einen eigenen Arbeitsplatz zur Verfügung, können sie  etwa ihre Heizkosten und den CO2-Ausstoss senken. Studien lassen zudem vermuten, dass die Heimarbeitende während ihrer Arbeitszeit nicht etwa herumtrödeln, sondern sogar effizienter arbeiten: So zeigt eine Forschungsarbeit  der kalifornischen Universität Stanford, dass die Angestellten einer untersuchten chinesischen Reiseagentur zu Hause 13 Prozent produktiver sind als im Büro. Kein Wunder also, will der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse die Schweizer Unternehmen von der Telearbeit überzeugen .

Trendwende bei der Unternehmenskultur
Die Argumente fürs Home Office sind einleuchtend. Dennoch zeichnet sich derzeit eine Trendwende ab: Mittlerweile haben mehrere Geschäftsführer ihre Heimarbeiter wieder ins Büro zurückbeordert. So etwa Marissa Mayer, Chefin des Internetkonzerns Yahoo: In einer E-Mail an die Angestellten  hat ihre Personalabteilung den Entscheid damit begründet, dass eine gute Zusammenarbeit nur bei persönlichem Kontakt möglich sei – was Verfechter des Home Office auf die Palme brachte.

Büros fördern Kreativität und Teamarbeit
Es stellt sich die Frage, ob man das System der Heimarbeit als – zumindest vorerst – gescheitert bezeichnen kann, wenn schon ein hochtechnisierter Konzern wie Yahoo an dessen Umsetzung scheitert. Die Antwort lautet: Jein. Die oben genannten Studien zeigen anschaulich, dass das Arbeitsmodell des Home Office in vielen Fällen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Win-Win-Lösung ist – aber eben hauptsächlich bei repetitiven Arbeiten. Sollen im Betrieb hingegen Kommunikation, Teamarbeit, Kreativität und Innovation gefördert werden, ist die Arbeit in einer angenehmen Büroumgebung unschlagbar.

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Ein Kommentar zu “Vom Home-Office zurück ins Büro”

  1. Markam 24. Juli 2013 um 4:46 pm

    Wirklich interessanter Text. Ich kann durchaus beide Positionen verstehen. Aber warum eigentlich entweder oder? Meist sind die Tätigkeiten ja vielseitig und nicht auf Teamarbeit oder repetitive Aufageben beschränkt. Man kann ja auch beides miteinander kombinieren. Beispielsweise 2 Tage von Zuhause aus arbeiten und die restliche Zeit im Büro. So könnte man sich seine Tätigkeiten eventuell einteilen und sie am jeweils geeignetesten Ort ausführen.

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