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Moralische Werte laufen dem nackten Gewinnstreben vielleicht bald den Rang ab. Denn Zahlen und Fakten machen nachhaltiges Management zunehmend messbar und zur Selbstverständlichkeit. Ein Experteninterview.

Marilena Maiullari am 14. November 2012

Bianca Dönicke, Sie arbeiten seit einem Jahr bei Haworth als European-Sustainability-Project-Managerin und sitzen auch im technischen Komitee des Europäischen Möbelverbands. Ist nachhaltiges Management eine Modeerscheinung?
Nachhaltiges Management ist eine Haltung, die es schon immer gab, sich nun aber stärker und verbreitet durchsetzt. Um langfristig unternehmerisch erfolgreich zu sein, muss ein Unternehmen neben den ökonomischen auch die sozialen und ökologischen Aspekte berücksichtigen. Nur so kann sich eine Firma heute und zukünftig behaupten. Oft wird man auch aus dem Risikomanagement getrieben, sich etwa auf kommende Regularien vorzubereiten. Reputation ist ebenfalls ein starker Treiber. Insgesamt zeigen Kunden für Nachhaltigkeit mehr und mehr Interesse – sie begreifen sie teilweise sogar schon als eine Selbstverständlichkeit.

Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit bei Haworth?
Nachhaltigkeit ist bei Haworth bereits seit langem gut verankert. Denn schliesslich soll der Betrieb auch für die kommende Generation dieser Unternehmerfamilie funktionieren. Haworth bekräftigt das unter anderem mit der Beschäftigung von Nachhaltigkeitsmanagern für drei Sektoren – den asiatisch-pazifischen, nordamerikanischen und europäischen Raum. Wir unterstützen dabei, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen umfassend gelebt wird. Dank globaler und lokaler Sichtweise können wir untereinander Synergien und Kapazitäten besser nutzen. Wir sind entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv: Nachhaltigkeit fängt bei der Produktentwicklung an, zieht sich weiter über die Zulieferkette, die Produktionsweise, die Logistik, die Nutzungsphase bis zum Ende eines Produktlebens.

Wo sind Sie aktiv?
In allen Phasen, auf diversen Ebenen. Dabei setzen wir natürlich Schwerpunkte. Wir Nachhaltigkeitsmanager arbeiten eng mit unterschiedlichen Funktionen im Unternehmen zusammen, geben Richtlinienempfehlungen ab und koordinieren eventuelle Zielkonflikte – zum Beispiel in den Bereichen von Energie und Abfall sowie im Sinne eines nachhaltigen Produktdesigns. Vorausschauend suchen wir immer nach neuen Materialtrends sowie neuen Verfahren. Es geht sowohl um kontinuierliche Verbesserungen unserer Nachhaltigkeitsleistungen als auch eine entsprechende Transparenz, die wir mit Informationsmaterialien, Dialogen und Schulungen schaffen.

Was haben die Kunden von Haworth davon?
Sie profitieren von qualitativ-hochwertigen Produkten und Arbeitsplatzkonzepten für ihre Zwecke, die dabei gesund, sozial-verträglich und umweltfreundlich sind. Die gesteigerte Reputation ist ebenso wichtig – in einer Zeit, in der um talentierte Mitarbeiter geworben wird. Wir bieten unser umfängliches Nachhaltigkeitswissen an. Ferner helfen wir Kosten zu sparen, nicht zuletzt weil das, was lange hält und flexibel einsetzbar ist, nicht schnell wieder ersetzt werden muss. Mit unseren Produkten unterstützen wir zudem Kunden, die ein nachhaltiges Gebäude zertifizieren lassen wollen, denn unsere Möbel können in diesen Systemen wertvolle Punkte ausmachen.

Wie geht ein Unternehmen für eine nachhaltige Gebäudezertifizierung vor?
Wir haben für unsere Produkte Datenblätter, die einen potentiellen Beitrag darstellen, etwa für eine LEED-Gebäudezertifizierung. Diese können wir auf Wunsch den Unternehmen zur Verfügung stellen.

Der Zertifikatsdschungel boomt, richtig?
Ja, insbesondere in einem vielseitigen Europa. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren einige Produktzertifikate konsolidiert werden. Zertifizierungsprozesse sind aufwendig und kostenintensiv. Vorrangig soll es aber darum gehen, nachhaltige Leistungen zu schaffen. Zudem sollte sich der Kunde leicht orientieren können. Im Europäischen Möbelverband arbeite ich selbst daran mit, ein europäisches Zertifikat für Büromöbel zu entwickeln.

Was sind zurzeit die Highlights bei Haworth in Sachen Nachhaltigkeit?
Erst kürzlich haben wir die LEED Gold Zertifizierung für unseren Züricher Showroom erhalten. Wir machen weitere Fortschritte in der Reduktion von Energie und Abfall durch neue Anlagen und Infrastruktur. Die Nachhaltigkeitsaspekte entlang des gesamten Lebenszyklus unserer Produkte werden noch transparenter.

Wohin entwickelt sich Nachhaltigkeit in Firmen?
In den nächsten Jahren wird Nachhaltigkeit noch mehr im Kerngeschäft ankommen. Sie wird tatsächlich selbstverständlicher, und vor allem auch mit mehr Zahlen und Fakten hinterlegt sein.

Eine weitere wichtige Entwicklung in unserer Branche sehe ich in der Ressourceneffizienz: Wenn wir es schaffen, Materialien für ein Produkt einzusetzen und diese am Ende des Produktlebens ohne grosse Abwertung wieder herausnehmen und erneut nutzen, verlieren wir keine Ressourcen. Das ist gut für unser Geschäft, unsere Kunden sowie die Gesellschaft.

 

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