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Trends und Gegentrends: Wo macht der mobile Arbeitsplatz Sinn, wo nicht?

Marilena Maiullari am 16. Oktober 2012

Cool bleiben im Büro ohne KlimaanlageIn immer mehr Büros haben Angestellte keinen persönlichen Arbeitsplatz mehr. Nonterritoriales Office ist der Fachbegriff dafür: Mitarbeitende suchen ausgestattet mit Trolley und Laptop täglich von neuem ihren Platz im Grossraum-Office.

Ein Desk-Sharing beziehungsweise die Philosophie des mobilen Arbeitsplatzes macht laut Thorsten Scherf, Arbeitspsychologe an der Kalaidos-Fachhochschule Sinn, wenn weniger Arbeitsplätze nötig sind und besser ausgelastet werden können als bei traditionellen Arbeitsstationen. Bei Beratungsfirmen etwa, wo Mitarbeitende oft zu den Kunden reisen, seien mobile Stationen kostengünstig und würden von den Angestellten geschätzt. Auch in Call-Centern, wo meistens in Schichten gearbeitet wird, sei Desk-Sharing sinnvoll.

«Viele Mitarbeitende, die mit iPhone und Laptop ihr Büro praktisch immer dabeihaben, können im Prinzip arbeiten, wann und wo sie wollen», so der Experte. Mobile Arbeitsplätze setzen aber gemäss Scherf eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur voraus. «Eine solche ist nicht überall gegeben.» Der Grund: Nicht alle Angestellten verrichten selbständige Tätigkeiten mit einem grossen Ausmass an Selbstkontrolle.

Kontraproduktiv sind gemäss Thorsten Scherf mobile Arbeitsplätze ebenfalls dort, wo viel mit Papier gearbeitet wird. Gleiches gelte für Orte mit erhöhtem Sicherheitsstandard, zum Beispiel Buchhaltungsabteilungen. Auch bei Funktionen, in denen Angestellte kaum ausser Haus tätig sind, sei nonterritoriales Arbeiten kaum zielführend. Ob der mobile Arbeitsplatz Sinn macht, hängt also sehr stark vom Anforderungsprofil des Jobs ab.

Bei der Beurteilung eines mobilen oder fixen Arbeitsplatzes sollten Führungskräfte aber auch das Wichtigste nicht vergessen; die individuellen Präferenzen der Mitarbeitenden. Will heissen: Sie müssen sich überlegen, welches Modell  die Mitarbeitenden im konkreten Fall am produktivsten arbeiten lässt. Fragen wie: «Wo zieht es Mitarbeitende mit Freude hin?» oder «Was motiviert sie bei der Arbeit» sind genauso wichtig, wenn nicht zentraler als Kostenüberlegungen.

Ginge es nach Unternehmen wie Google müssten wir vermehrt mobile Arbeitsinseln bieten, um die Mitarbeitenden selber wählen zu lassen, wo sie produktiver arbeiten können. In anderen Branchen kann es aber ganz anders aussehen. «So oder so ist aber wichtig, dass alle Arbeitsplätze über die nötige Infrastruktur verfügen und beim Desk-Sharing klare Spielregeln vorgegeben werden», sagt Scherf.  Damit meint er grundlegende Verhaltensregeln etwa in welchem Zustand der Platz verlassen werden muss, damit der nächste Mitarbeitende ohne grossen Aufwand seine Schicht beginnen kann.

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