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Ergonomie, Teil 2: Handeln, bevor es am Körper und im Portemonnaie weh tut

Marilena Maiullari am 30. Oktober 2012

Cool bleiben im Büro ohne KlimaanlageDer Ergonomie-Fachmann und gleichzeitig Seating Development Verantwortliche von Haworth, Torsten Lohrsträter, weiss, wie er während der Arbeit seinem Körper Gutes tun kann. Er arbeitet an einem elektromotorischen Stehpult und verbringt höchstens 20 % seiner Arbeitszeit im Sitzen. Agilität wird bei ihm grossgeschrieben. Er steht und bewegt sich häufig, und das rät er auch allen, die normalerweise im Sitzen arbeiten. Den Bürodrehstuhl und den Stehsitz nutzt er zur Unterstützung. Sogar Meetings von bis zu einer Stunde halten er und seine Mitarbeitenden im Stehen ab – Chapeau. «Wenn ein Muskel verkümmert – also nicht genügend bewegt wird – fangen die Gesundheitsprobleme an», weiss er.

Während seines Arbeitstages in Nordrhein-Westfalen hilft er bei der Einrichtung ergonomischer Arbeitsplätze mit. Er liefert den Produkteentwicklern ergonomische Vorgaben und entwickelt Programme, um Nutzer zur korrekten Anwendung zu motivieren. «Ich erlebe immer wieder, dass teure ergonomische Geräte angeschafft und dann nicht richtig genutzt werden», ärgert sich Torsten Lohrsträter. Deshalb bildet er unter anderem Ergonomie-Berater aus. «Wenn wir die Menschen nicht aufklären, kümmert sich keiner darum», sagt er. Sobald er erläutert, wo falsche Sitzgewohnheiten hinführen, hört man ihm aufmerksamer zu. Im Rentenalter möchten eben alle doch noch mobil sein.

Bewegungsmangel kostet viel Geld
In Gesundheitsanliegen schneidet die Schweiz im europäischen Vergleich gut ab. Aber auch wir produzieren mangels Bewegung am Arbeitsplatz Gesundheitskosten in Milliardenhöhe. Die neuen Generationen, die in die Arbeitswelt einsteigen, bewegen sich gar noch weniger als wir es ohnehin schon tun – der Weg des geringsten Widerstands hat sich also längst bei uns eingeschlichen. Wird uns der Staat vor den Folgen schützen?

Schweizer Physiotherapeuten im Hoch
Ich bin Torsten Lohrsträters Beispiel gefolgt und habe jedes interne Meeting im Stehen abgehalten und meine Sitzposition eine Woche lang häufig gewechselt. Mein Tagesablauf wird dadurch abwechslungsreicher und ich spüre, dass mehr Bewegung Körper und Geist gut tut. Aber leider habe ich weder einen Haworth-Bürodrehstuhl noch einen höhenverstellbaren Schreibtisch und niemand, der mich auf meine ungesunden Sitzgewohnheiten aufmerksam macht. Das heisst, seit kurzem schon: mein Physiotherapeut. Mich quälen nämlich seit einer Weile Spannungskopfschmerzen. Die Folge: Meine Arbeit muss jetzt ab und an mein Chef erledigen, denn ich muss wie ganz viele andere während der Arbeit regelmässig zur teuren Therapiesitzung, wo mir der Spezialist beibringt, wie man korrekt am Schreibtisch sitzt. Um alle Patienten durch den Tag zu bringen, öffnet mein Physiotherapie-Studio in Zürich die Türen um 4 Uhr morgens. Ist das zu fassen?

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