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Ergonomie, Teil 1: Sensibilisierung der Mitarbeitenden ist das A und O

Marilena Maiullari am 23. Oktober 2012

Cool bleiben im Büro ohne KlimaanlageErgonomie-Experten wie Torsten Lohrsträter helfen bei Haworth mit, gesundheitsfördernde Büromöbel zu entwickeln. Der Spezialist weiss: «Solche Anschaffungen erfordern viel Sensibilisierung, und am besten Vorgesetzte, die vormachen, wie’s geht.»

Nehmen wir den asymmetrisch lumbarunterstützten Bürodrehstuhl von Haworth: Ohne Schulung oder Information wüsste ich gar nicht, wozu er gut ist. Torsten Lohrsträter, Ergonomie-Fachmann und Seating Development Verantwortlicher von Haworth, bringt es einfach auf den Punkt: «Da die Muskulatur unserer Körperhälften nicht gleich ist, haben wir einen Drehstuhl entwickelt, bei dem im Rücken der Härtegrad für jede Körperseite individuell eingestellt werden kann.» Das ist ebenso neu wie beeindruckend. «Als Arbeitsplatzplaner und -Hersteller ist es unsere Verantwortung, den Detailhandel zu sensibilisieren, damit dieser den Endkonsumenten korrekt schult. Wenn der Nutzer nicht versteht, weshalb und wie er ein ergonomisches Möbel verwenden soll, nützt jeder ausgegebene Franken nichts», ergänzt er.

Torsten Lohrsträter arbeitet in Haworths Europazentrale für die Sitzentwicklung, wo man seit 65 Jahren erfolgreich Stühle konzipiert und produziert. Die Möbel entstehen bei Haworth aufgrund von Untersuchungen und Erfahrungswerten von Experten, die viele Bemusterungen mit Betriebsärzten machen. Bevor diese Daten in die Entwicklung einlaufen, werden sie mit weiteren Medizinern besprochen. Fast jedes Stuhlteil wird von Haworth selbst hergestellt.

Rückenmuskulatur auch im Sitzen fordern
Bei sitzender Tätigkeit wird von allen Körperteilen die Wirbelsäule am meisten in Mitleidenschaft gezogen. Da sie durch Nervenstränge und Triggerpunkte mit anderen Organen verbunden ist, sollte man ihr besonders Sorge tragen. «Menschen können zum Beispiel mit dem Herz, der Lunge oder dem Magen Probleme haben, während die Ursache bei der Wirbelsäule liegen kann», hörte ich Torsten Lohrsträter während eines Symposiums an der Universität in Zürich sagen. Da muss was dran sein, denn dasselbe habe ich von anderen Spezialisten schon gehört. Weiter führte er aus, dass Verformungen der Wirbelsäule im Anstieg seien, meist aufgrund einer Schwäche der Muskulatur – dies, weil sich unsere Gesellschaft immer weniger bewegt. «Wenn ich mich deshalb nicht an verhaltensergonomische Regeln halte, nützt das beste Equipment nichts», mahnte er.

Sein Referat überzeugt mich – folgen wir also besser seinem Rat, häufig die Sitzhaltung zu wechseln und uns möglichst viel zu bewegen. Beides stärkt die Rückenmuskulatur und entlastet die heiklen Bandscheiben.

Handeln, bevor es weh tut
«Egal, wenn der Chef komisch guckt, weil wir dabei aussehen, als hingen wir im Sofa. Alles was bequem ist, freut die Wirbelsäule», erklärt Torsten Lohrsträter. Starrheit sei für den Rücken sehr ungesund. Deshalb empfiehlt er weiter, die Arretierung am Drehstuhl immer gelöst zu halten. «Wieso hat dann jeder professionelle Bürostuhl mit flexibler Rückenlehne eine Arretierung?», frage ich ihn. Die Gesundheitsdirektion schreibe eben eine vor, obwohl sie zwar mehr schadet als Gutes tut.
Ich bin am Arbeitsplatz seinem Tipp gefolgt und siehe da, meine lästigen Nackenverspannungen nehmen tatsächlich ab. Freude herrscht! Weitere Ratschläge zur Erhaltung der Gesundheit folgen nächste Woche nach meinem nächsten Selbstversuch.

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