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Neue Arbeitsformen, neue Infrastruktur, neuer Lifestyle

Marilena Maiullari am 6. September 2011

Freiberufler, kleinere Startups oder digitale Nomaden nutzen Coworking Spaces: Nach Berlin, Hamburg und Köln zeichnet sich auch in Zürich ein Trend im Bereich neuer Arbeitsformen ab. Haworth sprach mit den Infrastrukturanbietern eines Pilotprojekts, das Coworking anbietet.

Wenn Menschen aus verschiedensten Branchen an einem bestimmten Ort zusammenkommen, um die Infrastruktur für ihre Arbeit zu nutzen, spricht man von Coworking. Ein Ort, der das anbietet, ist das Betahaus in Zürich. Das Pilotprojekt verkauft Arbeitsstationen auf Zeit: Einen Tag lang Schreibtisch, Scanner, Drucker und WLAN nutzen, kostet 20 Franken. Wer sich als Einzelperson fest in eine Bürogemeinschaft einmietet, zahlt oft 500 oder 600 Franken Miete im Monat. Im Betahaus kommt ein Arbeitsplatz für einen Monat auf 320 Franken zu stehen. Ein günstiges Angebot also.

Den Mietern geht es aber nicht nur um den Preis, sondern auch um Gemeinschaft. Viele Freiberufler haben keinen festen Arbeitsplatz oder arbeiten in flexiblen Arbeitsverhältnissen. Im Betahaus können sie sich ungezwungen austauschen, sei das beim Kaffee, auf der Terrasse, dienstagabends am Stammtisch oder donnerstags  beim gemeinsamen Frühstück. Dann kann man auch sein Projekt vorstellen.

Für die Infrastruktur sorgt unter anderem das Architekturbüro Hüller Rudaz. Es hat für das Betahaus die Coworking-Schreibtische entworfen und gefertigt. Haworth ist neugierig und will mehr über die Entwerfer wissen:

Sie haben mit Architektur und Städtebau im eigenen Architekturbüro vermutlich schon genug Arbeit. Wieso entwerfen Sie auch Möbel?

Eigentlich entstand der Vorschlag für diesen Tisch eher zufällig aus einer Diskussion mit den Gründern vom Betahaus Zürich über flexibles Arbeiten im Allgemeinen und das Betahaus-Projekt im Speziellen. Von dem Gespräch ausgehend, war das Konzept des Tisches in wenigen Minuten entworfen. Aus der Diskussion heraus zu einem einfachen und klaren Konzept zu kommen, ist für uns dabei eine gute Übung für die grösseren Aufgaben in Architektur und Städtebau.

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Ihr Coworking-Tisch kommt ohne eine Schraube aus. Ist Do-it-yourself-Design für Sie eine Mode oder Lifestyle?

Der Tisch setzt die Vorgaben von Betahaus nach flexibler und einfacher Handhabung um. So kann z. B. der Tisch nicht nur für eine Abendveranstaltung schnell auseinandergebaut und platzsparend in die Ecke gestellt werden. Es ging uns dabei weniger um Mode oder Lifestyle, als um das Erreichen einfacher Ergebnisse unter in Anspruchnahme neuer Techniken. Bei dem Tisch werden z. B. die Möglichkeiten moderner CNC-Frästechnik genutzt.

Sie sind Vertreter des Open Source Designs. Heisst das, man darf Ihre Ideen kopieren, verändern und verkaufen?
Es ist wie bei frei verfügbarer Software. Man darf sie gratis nutzen, ein Verkauf oder eine Abänderung ist jedoch untersagt. Wir nutzen lediglich die Möglichkeiten der globalen Vernetzung und können somit den Fräscode des Tischs über das Internet weltweit zur Verfügung stellen.

Woran arbeiten Sie zurzeit?
Wir haben gerade die Baueingabe für ein Atriumhaus in Luzern hinter uns und beginnen mit der Ausführung eines Umbaus im Wallis. Zudem arbeiten wir an verschiedenen Machbarkeitsstudien in der Westschweiz.

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz der Zukunft aus?
Mit zunehmender Abwicklung von Administration und Kommunikation über das Internet ist das ortsungebundene Arbeiten ein schöner Gedanke. Neben den technischen Anschlüssen wären viel Tageslicht und ein lebendiges, kulturelles Umfeld die Werte, die die Arbeitsumgebung der Zukunft bestimmen könnten. Ziele, worauf z. B. auch Betahaus hinarbeitet.

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