Sprache

Spinat und Schweissfahne

Gastautorin Diana Roth am 3. März 2010

Der Chef hat Spinatreste zwischen den Zähnen, die Kollegin zieht Käsefäden und schmatzt am Mittagstisch und der Pultnachbar hat umwerfenden Mundgeruch. Was sagt man in solchen Situationen und vor allem wie? Soll man das Problem überhaupt ansprechen oder lieber sein lassen. Für solche heikle Situationen gibt es tatsächlich ein paar Regeln.

Der persönliche Frust
Vorab kann man sich immer fragen, warum man sich ab dem Anderen stört. Ist es wirklich für das ganze Büro nicht mehr auszuhalten oder sucht man nur einen Sündenbock für seinen eigenen Frust? Denn oft ist es so, dass man sich als Einziger an etwas stört, weil man die Person nicht besonders mag oder man mit seinem eigenen Leben nicht ganz zufrieden ist. Dann behält man die unangenehme Wahrheit besser für sich. Sonst steht man am Schluss nur als Unruhestifter da, ohne dass das eigentliche Problem behoben wird. 

Lieber sein lassen
Unangenehme Wahrheiten sollte man bei Kurzzeitbekanntschaften für sich behalten. Etwa bei Leuten, die man im Fahrstuhl trifft oder Kollegen aus dem dritten Stock. Auch bei Vorgesetzten ist Vorsicht geboten. Zumindest wenn es um heiklere Sachen als eine zerzauste Frisur oder einen Fleck auf dem Hemd geht. Denn der Rat von Untergebenen oder Fremden wird oft als unangemessen empfunden. Umgekehrt sollte sich der Chef nicht über den Pickel der Assistentin auslassen oder den Knutschfleck (den sie natürlich stundenlang überschminkt und mit einem Halstuch verdeckt hat) kommentieren.

Darüber reden hilft
Wenn man jedoch mit jemandem über Jahre zusammenarbeitet, sollte man das, was einen stört, durchaus ansprechen. Die Kommunikationsexpertin Diana Roth rät, persönliche Hinweise immer unter vier Augen zu geben. Das gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren. Auch der passende Raum ist sehr wichtig. Ob bei einem gemeinsamen Mittagessen oder bei einem festen Termin im Sitzungszimmer – Hauptsache das Gespräch wird nicht von hereinplatzenden Kollegen gestört. Schwierige Gespräche sind erfolgreicher, wenn sie von Frau zu Frau bzw. von Mann zu Mann geführt werden. Da dann keine Machtspielchen zwischen den Geschlechtern das eigentliche Problem verschleiern.

Die vier Schritte
Diana Roth rät, das Gespräch in vier Schritte aufzuteilen und immer mit einer wertfreien Beobachtung zu starten.

1. Schritt: positive Einleitung und ICH-Botschaften
Beispiel: „Ich schätze deine guten Ideen und gleichzeitig die Art wie du sie umsetzt. Und gerade deswegen ist mir wichtig dir noch zu sagen: Ich habe eine sehr gute Nase und nehme sehr viele Gerüche auf. Manchmal kann das ein Segen sein – oft aber auch ein Fluch. Ich habe beobachtet, wenn ich nah mit dir zusammenarbeite, nehme ich Gerüche auf, die mich in der Konzentration ablenken und stören.“ Hier ist es sehr wichtig, in der reinen ICH-Formulierung zu bleiben. 

2. Schritt: Gefühle ausdrücken
Im 2. Schritt ist es wichtig, seine Gefühle mitzuteilen und ein positives Feedback zu geben. (sogenannte Sandwichtechnik).
Beispiel: Das verunsichert mich total. Gerade weil ich dich und deine hilfsbereite, effiziente Arbeit und immer gut gelaunte Art sehr schätze!

3. Schritt: Bedürfnis mitteilen
Beispiel: „Denn ich habe das Bedürfnis konzentriert mit Dir zusammen zu arbeiten. Das gelingt mir jedoch so nicht.“

4. Schritt: Den Ball dem Gegenüber zuwerfen.
 Beispiel: „Was denkst du?  Hast Du einen Vorschlag, wie wir das ändern könnten?“ So hat das  Gegenüber die Chance, sich zu äussern.

Die goldene Regel zum Schluss
Während des Gesprächs sollte man stark auf die Körpersprache des Gegenübers achten. Der eigene offene Blickkontakt ist wichtig. Die echten Ich-Formulierungen sind entscheidend für den Erfolg. Der absolute Gesprächskiller ist: „Die anderen reden schon darüber – aber ich bin die einzige, die den Mut hat dir das zu sagen.“ Eine solche Aussage erzeugt nur Gegenwehr – und sonst nichts. Die goldene Regel lautet: Immer nur von sich und seinen eigenen Bedürfnissen reden. Wenn man dann noch die erwähnten vier Schritte beachtet und Zeit und Ort klug wählt, wird das Problem bald keines mehr sein. 


Diana Roth
Personal- und Organisationsentwicklung
Waldhausweg 18
3073 Gümligen

diana.roth@bluewin.ch

Weitere Tipps von Kommunikationsexpertin Diana Roth:
www.co-di.ch/meinangebot/konflikte.htm

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