Sprache

Ergonomie 2: Lärm, kein Platz und schlechte Luft – was tun?

Gastautor Matthias Emmenegger am 28. August 2009

Arbeitsplätze ergonomisch gestalten heisst, die bestmögliche Voraussetzung schaffen, damit die zu verrichtende Arbeit möglichst effizient und gesundheitsschonend erfüllt werden kann. Um diesen Ansprüchen und den gesetzlichen Bestimmungen bei der Gestaltung von Büroarbeitsplätzen zu genügen, richten Planer ihre Aufmerksamkeit ganz auf den Nutzer und die Nutzerin. Sie informieren sich genau über deren Tätigkeit. Denn Büroarbeitsplatz ist nicht gleich Büroarbeitsplatz.

Eine Callcenter-Mitarbeiterin hat andere Bedürfnisse als ein Anwalt. Ein Buchhalter andere als eine Architektin. Im Grossraumbüro mit Desk-Sharing gelten andere Ansprüche ans Mobiliar als im Einzelbüro. Das Gebäude und die Einrichtung muss dem Menschen und seiner Tätigkeit angepasst werden. Lärm, zu wenig Platz (fehlende Privatsphäre) und schlechte Luft sind die Hauptstörfaktoren im Büro. Diese Faktoren haben konkret mit der Gebäudehülle, der Wahl der Klimatisierung und dem Flächenmanagement zu tun. Werden diese drei Punkte den Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen angepasst, können sich diese mit dem Mobiliar und der restlichen Einrichtung meist arrangieren.
 
Das Gebäude kann noch so toll sein, wenn zu wenig Raum pro Arbeitsplatz eingerechnet wird, nützt auch die originellste Architektur wenig. Denn bei ungünstigen Platzverhältnissen nimmt die Leistungsfähigkeit ab. Auch kreatives und produktives Arbeiten wird eingeschränkt. Lärm kann man unter anderem mit genügend Distanz zwischen den Lärmquellen – im Büro meist die Menschen selbst – entgegen wirken. 12 m2 sollten jedem Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Doch wie berechnet sich die optimale Fläche? Sie ergibt sich aus der Stellfläche der Möbel, der Benutzerfläche der Mitarbeiter und der Verkehrsfläche zum Arbeitsplatz. Das Gebäude sollte die produzierte Wärme ausgleichen. Die Luftzufuhr darf aber unter keinen Umständen Durchzug verursachen. Böden und Decken dämpfen den Schall.

Tageslicht ist wichtig, jedoch sollte der Bildschirm nie vor einem Fenster platziert werden. Die Helligkeit sollte mit individuell bedienbaren Innen- und Aussenstoren gedämmt werden können. Die Lichtstärke im Raum muss mindestens 500 Lux betragen. Die Arbeitsplätze sollen von den Hauptverkehrsflächen abgegrenzt sein, Rückendeckung und mindestens 50 cm Abstand zur Fassade aufweisen. Der Abstand zwischen Tischkante und Rückenmöbel sollte mindestens 100 cm, maximal aber 130 cm betragen. Idealerweise sind die Rückenmöbel 100 bis 110 cm hoch und lassen sich bei Bedarf als Steharbeitsflächen nutzen.

Für eine vergrösserte Ansicht klicken Sie bitte auf das Bild.

einzelarbeitsplatzeinzelarbeitsplatz_grundriss

doppelarbeitsplatz2doppelarbeitsplatz_grundriss

Drucker und Kopiergeräte erzeugen Feinstaub und Lärm. Sie werden deshalb am besten in einer Ecke oder einem separaten Raum untergebracht. Besprechungsräume und Pausenzonen sollen auch mit Stehmobiliar eingerichtet sein. So wird der Belastung des andauernden Sitzens entgegengewirkt. Treppenhäuser sollen zum Treppensteigen animieren und entsprechend grosszügig gestaltet sein.

Wenn die Arbeitsplätze so geplant und gebaut sind, dass sie den ergonomischen Richtlinien entsprechen, ist ein erster wichtiger Schritt getan. Doch letztlich müssen diese von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch wirklich ergonomisch genutzt werden. Denn Ergonomie ist weit mehr als die isolierte Betrachtung der Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen. Von erfolgreicher Gestaltung mit Ergonomie lässt sich erst sprechen, wenn Arbeitsplätze angepasst und gestaltete Produkte und Prozesse in der Arbeitswelt tatsächlich auch angenommen wurden.
Matthias Emmenegger, Ergonomie Folge 1 im Blog von Haworth

 

 

Autor:
Matthias Emmenegger
Dipl. Ergotherapeut
Geschäftsführer Firma Ergoplan
Schindlerstrasse 4, 8006 Zürich
043/255 03 20
www.ergoplan.ch

Related posts:

  1. Kein Platz für vielleicht
  2. Ergonomie 1: Was ist das?
  3. Ergonomie bei Desk-Sharing, Folge 6
  4. Ergonomie 4: Sitzen und Stehen im Büro
  5. Ergonomie 5: Das Anwenden der Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz

 

Abgelegt unter Mensch | Keine Kommentare | Artikel drucken | weitersenden

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben