Interview mit Andreas Struppler, Designer des neuen Tischsystems Kiron*
Elisabeth Frey am 8. Juli 2009

Ein Tisch ist ein Tisch. Dennoch bringen Hersteller immer wieder neue Modelle auf den Markt, Sie haben gerade ein neues Tischsystem für Haworth entworfen. Was spricht dafür?
Eine ganze Menge, schliesslich ist das neue Programm so vielseitig wie kein zweites auf dem Markt. Gemeinsam mit dem Haworth Projektteam haben wir ein Produkt geschaffen, das die Anforderungen aller Haworth Gesellschaften erfüllt: 1. sehr einfach zu planen und zu benutzen, 2. alle Konfigurationsmöglichkeiten und Gestellformen zuzulassen und 3. in Form und Gestaltung eigenständig und klar sein. Das Programm soll für alle Nutzer die individuell beste Lösung bieten.
Untersuchen Sie den Markt und die Nutzung der Produkte, bevor Sie mit einem Projekt beginnen und welche Rechercheergebnisse waren wichtig für die Entwicklung von Kiron?
Ja – wir haben uns stark mit den gegenwärtigen Arbeitsformen auseinandergesetzt und beobachtet, was die Nutzer wirklich brauchen.
Sie brauchen kein ausgefallenes Möbel mit besonders charakteristischen Merkmalen, sondern eine intelligente unterstützende Lösung, die im architektonischen Kontext funktioniert und möglichst lange Bestand hat.
Gerade die Anpassung an ergonomische Anforderungen steht bei dem neuen System im Vordergrund, sowie die Überlegung, ein generationenübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen. Ein 56-jähriger arbeitet gern an einem höhenverstellbaren Tisch – am liebsten elektromotorisch. Lehrabgänger und Studenten bevorzugen ressourcenschonend die manuelle Höhenverstellung mit Kurbel, und der Mitvierziger vielleicht einen fix eingestellten Tisch in seiner bevorzugten Höhe. Alle aber wollen das gleiche Möbelprogramm, um einen klaren Auftritt nach innen und aussen kommunizieren zu können.
Was unterscheidet Kiron von anderen Tischen?
Ganz klar die Flexibilität – mit keinem anderen Tischprogramm auf dem Markt können Sie so viele und so unterschiedliche Konfigurationen abbilden wie mit Kiron! Ausserdem kann jede Beinform – ob 4-, A- oder T-Fuss unter der Tischplatte eingesetzt werden – auch die elektromotorische Variante mit einem Verstellbereich von 65 bis zu 130 cm ist in die Arbeitsfläche integriert.
Welche Überlegungen waren massgebend für die Entwicklung?
- Von Seiten Haworth stand ganz klar die Überlegung im Vordergrund, ein System zu entwickeln, das von den Händlern und Projektverantwortlichen einfach und ohne grossen Aufwand geplant werden kann. Das vor allem aber im Rahmen der üblichen Änderungen im Planungs- und Entwicklungsprozess auf sich ändernde Anforderungen hin anzupassen ist.
- Von unserer Seite war klar, dass wir ein System schaffen wollten, das sich optimal in unterschiedliche Bürotopografien und auch Architekturen eingliedert und sich in seinem langen Lebenszyklus in wachsende, modifizierte und auch schrumpfende Strukturen einfügt.
Welche Vorgaben musste das neue Tischsystem unbedingt erfüllen?
Unglaublich viele – Sie können sich vorstellen, dass in einem so international aufgestellten Unternehmen wie Haworth sehr viele Anforderungen und damit Vorgaben zusammenlaufen.
Die wichtigste Vorgabe war, die zukünftigen Nutzer zu überzeugen und ein Möbel zu kreieren, das die Arbeit erleichtert und auch im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld eine wertvolle und wirksame Einrichtungslösung bietet.
Was war die grösste Herausforderung während des Projekts?
Die Stabilität, denn gerade die neuen Normen, denen das Tischsystem entsprechen sollte, machen die Entwicklung von durchgängigen Büromöbelprogrammen immer schwieriger und aufwendiger – das ist zwar gut für den Nutzer, die Messlatte in Punkto Stabilität in Verbindung mit kostengünstigen Herstellverfahren wird damit aber immer höher gehängt.
Für welche Arbeitsformen ist Kiron gedacht?
Mit Kiron wollen wir sowohl den Freiberufler und Selbständigen wie die ambitionierten Mitarbeiter in einem Startup Unternehmen erreichen, genauso aber auch die Firmen, die generationenübergreifend in kleineren Teams oder Arbeitsgruppen zusammenarbeiten und die gerade hier besondere Anforderungen an Durchgängigkeit und Ergonomie stellen.
Klimawandel, Green Office und Nachhaltigkeit – diese Begriffe sind allgegenwärtig. Welche Bedeutung haben sie für Ihre neueste Entwicklung Kiron?
Diese Themen haben sicher für alle, die mit neuen Entwicklungen jeglicher Art beschäftigt sind, einen sehr hohen Stellenwert. Denn gerade hier geht es um bessere Lösungen für die Zukunft und um den Werterhalt für die nächsten Generationen. Das sich solche Überlegungen auch in einem Möbelsystem widerspiegeln müssen, ist selbstverständlich.
Wo finden Sie Inspiration für neue, kreative Ideen?
Überall – beim und während des Entwicklungsprozesses eines bestimmten Projektes – abgeleitet aus dem Interesse für die Aufgabenstellung selbst – aber auch bei allen interessanten Themen, die mir sonst über den Weg laufen.
Die notwendige Kraft und den Spass für meine Arbeit gewinne ich letztlich aber aus meiner Familie oder beim Wellenreiten und Segeln.
Zur Person und seinem Unternehmen:
Andreas Struppler, geboren 1964, studierte Architektur und Design in Kassel. Danach arbeitete er in verschiedenen Designbüros in Berlin, München und Mailand. 1992 gründete er seine Firma Struppler Design.
In dem Münchener Designbüro werden innovative Produkte entworfen und entwickelt, vom Konzept über die Gestaltung, bis hin zur technischen Ausarbeitung von Serienprodukten. Das Team von Struppler Design begleitet den gesamten Prozess von der ersten Idee über den Modell- und Prototypenbau bis hin zum werkzeugtauglichen Datensatz.
Die Vielseitigkeit der Projekte für unterschiedliche Branchen und Unternehmen ist charakteristisch für das sechsköpfige Team: Büromöbelsysteme und Bürostühle, Sport- und Elektrogeräte, Leuchten und Lichtsysteme – auch die Gestaltung von Industrieanlagen und Maschinen, Ladenbau- und Shopsystemen sowie die Wohn- und Badeinrichtungen gehören zu den Kompetenzen von Struppler Design. Die entstandenen Produkte werden oft mit internationalen Designpreisen ausgezeichnet.
*Kiron ist der Arbeitstitel des Tischsytsems
Zum Interview mit Andreas Isler, Projektleiter Europa Kiron
Ein Vorgeschmack auf neue Produkte – NE desk, Very und System 59
Präsentation Kiron am Haworth Preferred Partner Meeting
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