Keine Zeit?
Elisabeth Frey am 20. April 2009
Die Pendenzen im Ablagefach quellen über und selbst in der Freizeit hetzen wir von einem Termin zum anderen. Zeitmangel und Zeitdruck prägen das heutige Lebensgefühl.

Halten Sie für kurze Zeit das Tempo an, um darüber nachzudenken, wie Sie Ihre Lebenszeit verbringen. Die Ausstellung Nonstop im Zeughausareal Lenzburg bietet derzeit eine gute Möglichkeit, sich mit dem Phänomen Zeit auseinander zu setzen. Sie zeigt, woher das hohe Tempo kommt und fragt nach Strategien im Umgang damit.
Tempo erleben
Ich habe mir Zeit genommen und die Ausstellung besucht. Die erste Entscheidung, die ich treffen muss, erwartet mich gleich beim Eingang. Soll ich schnell oder langsam, via Feuerwehrstange oder Wendeltreppe in den unteren Stock gelangen? Ich entscheide mich für die gemächliche Art, die Wendeltreppe. Mit dem Eintrittsbillet bekomme ich den Auftrag, Uhr und Handy in einem Schliessfach zu deponieren. Nach kurzem Zögern befreie ich mich von allen Zeitmessern, die im normalen Leben den Takt vorgeben. Im ersten Raum werde ich in ein Hör-Bad getaucht: Rhythmisch tropfendes Wasser, ein rauschender Bach – zu den beruhigenden Tönen gesellen sich plötzlich Alltagsgeräusche und Stimmengewirr. Das Chaos ist perfekt, es klackt, piepst, brummt und surrt. Isoliert und bewusst wahrgenommen, belastet dieser Lärm nicht nur die Ohren, sondern lässt auch die Bauchhöhle vibrieren.


Wie spät ist es?
Nach diesem lärmigen Einstiegserlebnis geniesse ich die Ruhe der übrigen Ausstellungsräume. Vertreter aus der Wirtschaft erzählen in Videos über das hohe Tempo in ihrer Branche. An interaktiven Bildschirmen überprüfe ich mein Zeitgefühl, erforsche den Biorhythmus und staune, wie viel Zeit wir mit alltäglichen Tätigkeiten verbringen. Wussten Sie, dass wir 7 Monate auf dem Weg zur Arbeit verbringen?
Langsam vergesse ich die Zeit und lausche durch ein Stethoskop wertvollen Tipps von Zeitexpertinnen und Zeitexperten. Ein interaktiver Test mit Fragekatalog und sofortiger Auswertung sagt mir, wie es um meine persönliche Lebens-Geschwindigkeit steht. Noch bin ich nicht Burnout gefährdet, aber ich sollte mein Tempo drosseln.
Kontrastprogramm
Der Film „realtime“ weckt unser Bewusstsein für Menschen unserer Gesellschaft, die nicht im Nonstop-Tempo leben. Er zeigt Alltagsmomente der Langsamen, in Echtzeit gefilmt: den Gang eines alten Menschen, ein Kind in der Kinderkrippe beim Anziehen der Jacke, behinderte Menschen bei der Arbeit.
Die Ausstellung ruft in Erinnerung, unsere Zeitkultur permanent mit sich und der Umwelt neu auszuhandeln. Einfache Rezepte und Lösungen gibt es nicht, aber Impulse.
Haworth Schweiz AG unterstützt die Ausstellung Nonstop als Gönner.
Mehr über die Ausstellung Nonstop
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Einsendeschluss: 30. April 2009
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